Motorrad Reifen wechseln – Schritt-für-Schritt Anleitung für Anfänger

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Einleitung: Ein neuer Reifen ist eine neue Sicherheit

Irgendwann ist jeder Reifen verschlissen. Das Profil ist zu flach. Der Reifen ist nicht mehr sicher.

Dann musst du den Reifen wechseln. Viele fahren direkt in die Werkstatt. Das kostet €60–€150 pro Reifen nur für die Arbeit.

Die gute Nachricht? Mit dieser Anleitung wechselst du deinen Motorrad-Reifen selbst. Es dauert nur 2–3 Stunden pro Rad.

Das spart dir mehrere hundert Euro. Und du lernst, wie dein Motorrad funktioniert.

Lass uns beginnen.


Warum Reifen-Wechsel so wichtig ist

Grund 1: Sicherheit geht vor

Ein verschlissener Reifen hat kein Grip. Du rutschst weg bei Regen oder in der Kurve. Das ist lebensgefährlich.

Grund 2: Bremsweg wird länger

Mit flachem Profil dauert es länger bis das Motorrad steht. Bei Notbremsung kann das entscheidend sein.

Grund 3: Technische Anforderung

Ein Reifen mit weniger als 1,6 mm Profil ist nicht zulässig. TÜV/Polizei können dich rausziehen.

Grund 4: Kosten sparen

Ein Werkstatt-Reifenwechsel kostet €100–€200 pro Reifen (mit Demontage, Montage, Auswuchten). Selber machen kostet nur den Reifen.


Der richtige Zeitpunkt: Wann muss ein Reifen gewechselt werden?

Sofort wechseln:

  • Profil unter 2 mm (besser: 3 mm)
  • Risse oder Blasen sichtbar
  • Unebenheiten oder Verschleiß
  • Reifen ist älter als 6–7 Jahre (auch wenn Profil noch gut)

Regelmäßig überprüfen:

  • Alle 3 Monate Profil messen
  • Nach jedem Winter kontrollieren
  • Vor längeren Touren checken

Das brauchst du: Komplette Werkzeugliste

Pflicht-Werkzeuge:

Sehr praktisch (optional):

  • Reifenmontagemaschine (macht das Aufziehen einfacher – oft in Werkstatt zu mieten)
  • Montagepaste (hilft beim Aufziehen des Reifens)
  • Reifenauswuchtgewichte (falls du selbst auswuchten willst)
  • Handschuhe (deine Hände bleiben sauber)

Kosten: €40–€100 für Werkzeuge (einmalige Investition)


Sicherheit: Montageständer ist Pflicht

⚠️ WICHTIG:

  • 🚫 Niemals unter einem Motorrad arbeiten, das nur auf Ständer steht! (Einsturz-Gefahr!)
  • 🚫 Nur mit Montageständer arbeiten (hebt Rad komplett frei)
  • 🚫 Nicht mit laufendem Motor arbeiten
  • 🚫 Keine Improvisation mit Werkstattjack (zu unsicher)
  • ✅ Ebener, fester Boden
  • ✅ Gute Beleuchtung
  • ✅ Ausreichend Platz zum Arbeiten

Wenn du keinen Montageständer hast: Zur Werkstatt. Sicherheit geht vor.


Schritt-für-Schritt: Motorrad-Reifen wechseln in 10 Schritten

Schritt 1: Den richtigen Reifen kaufen

Das ist der kritischste Schritt. Der falsche Reifen passt nicht oder ist unsicher.

So findest du den richtigen Reifen:

  1. Alte Reifengröße von der Reifenflanke ablesen (z.B. 120/70-17)
  2. Oder im Werkstatthandbuch nachschauen
  3. Denselben Typ und dieselbe Größe kaufen
  4. Qualitäts-Hersteller wählen (Michelin, Bridgestone, Pirelli, Continental, Dunlop)

Format verstehen:

  • 120 = Breite in Millimetern
  • 70 = Höhen-Verhältnis in Prozent
  • -17 = Felgengröße in Zoll

Profi-Tipp: Vergleich mehrere Reifen (Nassgrip, Verschleiß, Preis). Günstige Reifen sind oft nicht sicher.

Schritt 2: Motorrad auf Montageständer stellen

Das Rad muss komplett frei in der Luft hängen. Nur dann kannst du den Reifen demontieren.

So machst du es:

  1. Motorrad auf ebener Fläche parken
  2. Mit Montageständer das Hinterrad oder Vorderrad anheben
  3. Rad muss frei drehen (nichts berührt die Straße)
  4. Überprüfung: Mit der Hand das Rad anheben – es sollte move sein

Sicherheit: Motorrad muss absolut stabil stehen. Nie mit voller Kraft arbeiten.

Schritt 3: Radmuttern oder Radschrauben lösen

Bevor du das Rad abhebst, musst du die Befestigungen lockern.

So machst du es:

  1. Mit Ringschlüssel oder Schlagschrauber die Radmuttern lösen
  2. Noch nicht ganz rausnehmen – nur lockern (ein paar Drehungen)
  3. Das Rad sollte noch auf der Feder sein

Wichtig: Nicht mit Gewalt arbeiten. Wenn es nicht geht: Penetrieröl aufsprühen und 10 Minuten warten.

Schritt 4: Rad komplett abheben

Jetzt hebst du das Rad komplett ab.

So machst du es:

  1. Mit Schlagschrauber oder Ringschlüssel die Radmuttern komplett rausnehmen
  2. Radmuttern sicher zur Seite legen (nicht verlieren!)
  3. Rad mit beiden Händen greifen und abziehen
  4. Vorsichtig halten – die Felge ist schwer!

Vorsicht: Das Rad ist schwer und kann umfallen. Mit Hilfe arbeiten ist einfacher.

Schritt 5: Alte Reifen demontieren

Der Reifen sitzt fest auf der Felge. Du musst ihn abheben.

So machst du es:

  1. Reifenheber unter den Reifenrand führen (nicht unter die Felge!)
  2. Langsam hebeln bis der Reifenrand von der Felge rutscht
  3. Das gleiche auf der anderen Seite machen
  4. Der Reifen sollte jetzt lose auf der Felge liegen
  5. Mit den Händen den Reifen abziehen

Wichtig: Nicht mit Gewalt arbeiten. Wenn es nicht geht: Montagepaste hilft.

Schritt 6: Felge reinigen – Sehr wichtig!

Eine saubere Felge ist entscheidend für den neuen Reifen.

So machst du es:

  1. Alte Verschmutzung mit Stahlbürste abbürsten
  2. Mit feinen Tüchern abwischen
  3. Alle Reste entfernen (kein Schmutz sollte übrig sein)
  4. Die Felge sollte sauber und silbern aussehen

Warum? Verschmutzung führt zu schlechtem Sitz und Unwuchten des neuen Reifens.

Schritt 7: Neuen Reifen aufziehen

Der neue Reifen wird auf die Felge gezogen.

So machst du es:

  1. Reifen vor die Felge positionieren
  2. Mit Reifenhebern den Reifenrand unter die Felge führen
  3. Mit den Händen den Reifen auf die Felge drehen
  4. Das gleiche auf der anderen Seite
  5. Der Reifen sitzt jetzt auf der Felge (aber nicht ganz fest)

Profi-Tipp: Montagepaste am Felgenrand hilft beim Aufziehen.

Schritt 8: Reifenventil prüfen

Das Ventil ist wichtig für den Reifendruck.

So machst du es:

  1. Altes Ventil von der alten Felge ausnehmen (wenn gleicher Reifen)
  2. Neues Ventil in die neue Felge einsetzen (bei neuer Felge)
  3. Ventil sollte fest sitzen
  4. Ventilkappe aufdrehen

Wichtig: Das Ventil muss dicht sein, sonst entweicht Luft.

Schritt 9: Reifen aufpumpen und auswuchten

Der Reifen wird aufgepumpt und gewuchtet.

So machst du es:

  1. Mit Kompressor den Reifen auf Betriebsdruck aufpumpen (siehe Werkstatthandbuch)
  2. Mit Druckprüfer kontrollieren
  3. Idealerweise: Zur Werkstatt zum Auswuchten (kostet ca. €15–€25 pro Reifen)
  4. Falls selbst: Auswuchtgewichte auf der Felge anbringen

Profi-Tipp: Auswuchten ist wichtig für gerade Fahrt ohne Vibrationen.

Schritt 10: Rad wieder montieren und Drehmoment beachten

Das Rad wird wieder am Motorrad befestigt.

So machst du es:

  1. Rad auf das Motorrad aufsetzen
  2. Radmuttern handfest reindrehen
  3. Mit Drehmomentschlüssel auf das richtige Drehmoment festziehen (im Handbuch nachlesen, z.B. 80–150 Nm)
  4. Nicht zu fest anziehen (Gewindeschaden!)
  5. Nach 50 km Fahrt die Muttern nochmal überprüfen

Wichtig: Richtiges Drehmoment ist wichtig. Zu fest = Gewinde beschädigt. Zu locker = Rad fällt ab.


Häufige Fehler – und wie du sie vermeidest

Fehler 1: Falscher Reifen-Typ

Das Problem: Du kaufst einen Reifen, der nicht auf dein Motorrad passt.

So vermeidest du es:

  • Alte Reifen-Nummer aufschreiben
  • Werkstatthandbuch überprüfen
  • Im Shop nach deinem Motorrad-Modell fragen

Fehler 2: Motorrad nicht sicher auf Montageständer

Das Problem: Das Motorrad stürzt. Du kannst verletzt werden.

So vermeidest du es:

  • Nur mit Montageständer arbeiten
  • Nie mit Wagenheber improvisieren
  • Stabil und ebener Untergrund

Fehler 3: Drehmoment nicht beachten

Das Problem: Radmuttern sind zu fest oder zu locker. Das Rad kann abfallen.

So vermeidest du es:

  • Werkstatthandbuch konsultieren
  • Drehmomentschlüssel nutzen
  • Nicht mit Gefühl arbeiten

Fehler 4: Felge nicht gereinigt

Das Problem: Schmutz unter dem neuen Reifen führt zu Unwuchten und schlechtem Sitz.

So vermeidest du es:

  • Stahlbürste nutzen
  • Gründlich abwischen
  • Keine Verschmutzung übrig lassen

Fehler 5: Reifen nicht auswuchten

Das Problem: Der Reifen vibriert. Die Fahrt ist unbequem.

So vermeidest du es:

  • Zur Werkstatt zum Auswuchten (empfohlen)
  • Oder: Auswuchtgewichte selbst anbringen
  • Nicht ohne Wucht fahren

Fehler 6: Zu schnell fahren nach Wechsel

Das Problem: Der neue Reifen ist noch nicht richtig satt auf der Felge.

So vermeidest du es:

  • Erste 100 km ruhig fahren
  • Sanft beschleunigen und bremsen
  • Nach 50 km Radmuttern nochmal prüfen

Profi-Tipps für perfekten Reifen-Wechsel

Tip 1: Mit Hilfe arbeiten

Reifen wechseln ist einfacher zu zweit. Eine Person hält das Rad, eine hebelt.

Tip 2: Qualitäts-Reifen lohnen sich

Billige Reifen sind unsicher. Namhaften Marken halten länger und sind sicherer.

Tip 3: Beide Reifen gleichzeitig wechseln

Wenn möglich: Beide Reifen zur gleichen Zeit wechseln. Das ist praktischer.

Tip 4: Alte Reifen richtig entsorgen

Alte Reifen gehören zum Recycling-Hof oder zum Reifenhändler. Niemals in den Müll.

Tip 5: Nach dem Wechsel richtig fahren

Erste 100 km ruhig fahren. Der Reifen wird dann richtig satt auf der Felge.


Abschluss: Motorrad-Reifen wechseln ist machbar

Mit dieser Anleitung wechselst du deinen Motorrad-Reifen selbst. Es dauert 2–3 Stunden, aber du sparst €100–€200 Werkstatt-Kosten.

Merksatz: Richtigen Reifen kaufen → Montageständer nutzen → Rad abheben → Felge reinigen → Neuen Reifen aufziehen → Aufpumpen → Auswuchten → Rad montieren → Testen → Fertig!

Die kritischsten Parts:

  1. Richtiger Reifen-Typ (nicht raten!)
  2. Motorrad sicher auf Montageständer (Sicherheit geht vor)
  3. Richtiges Drehmoment (nicht zu fest, nicht zu locker)

Wenn diese drei passen: Du machst alles richtig.

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Viel Erfolg beim Reifen-Wechsel! Dein Motorrad wird wieder sicher unterwegs sein! 🏍️

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